Kurzgeschichte : Ich bin was ich war.

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Teufel100
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Kurzgeschichte : Ich bin was ich war.

Beitrag von Teufel100 » Fr Sep 03, 2004 5:11 pm

Es war eine klare Sommer Nacht, Bernd, der gerade 14 geworden ist konnte sie spüren, die Wärme. Er stand auf einen Dach, einen Dach von einen Hochhaus. Er stand einfach so da und dachte nach. Er überlegte sich, was er in den letzten 14 Jahren eigentlich gemacht hatte. Ihn fiel nicht viel ein. Natürlich besuchte er die Schule, jetzt schon 8 Jahre lang, er war nicht schlecht, nein, er war eigentlich ziemlich gut, er hatte hier und dort mal eine drei, in Kunst und Sport, aber sonst nur Einsen und zweier. Ja er war gut in der Schule, verdammt gut. Und nach der Schule ? Nach der Schule hatte er genug Zeit zum lernen. Regelmäßig lernte er, wenn er nach Hause kommt, ruht er sich nicht erst aus, nein er machte gleich seine Hausaufgaben, dass war wichtig, weil wenn er sie nicht machen würde, würde er Sechsen in der Schule bekommen und Sechsen wollte er wirklich nicht haben. Es war ja auch nicht nötig, denn nach 20 Minuten war er meist mit den Hausaufgaben fertig. Dann lernte er, manchmal 2 Stunden, manchmal aber auch 4 oder 6 Stunden. Wenn er nicht lernte, dann las er. Ja so manches gutes Buch hat er schon gelesen. Es waren Bücher von Dean Koonts dabei, genauso wie von Laurie Halse Anderson und dergleichen. Essen und Trinken tat er natürlich auch ab und zu mal was.

Seine Eltern hatten nicht wirklich Zeit für ihn, sie waren meist erst zu Haus, wenn er schon schlief und früh, wenn er wach wurde, waren sie schon längst wieder weg. Nein, eigentlich kannte er seine Eltern schon gar nicht mehr und ob seine Eltern ihn noch kannten wusste er nicht, aber sie mussten ja, ließen sie ihn doch jeden Tag ein bissel Geld da, damit er sich etwas zu essen kaufen könnte und zu trinken. Der Kühlschrank wurde auch ab und zu mal aufgefüllt, auch wenn er gar nicht wusste wann dieses geschah. Ob sie überhaupt was über ihn wussten ?

In der Schule war Bernd totaler Außenseiter, soziale Kontakte waren ein Fremdwort für ihn. Er hatte keine Freunde, gehörte keiner Klicke an und konnte auch sonst mit niemanden sprechen. Die anderen hänselten ihn, zogen ihn mit irgendetwas auf, was eigentlich überhaupt nicht stimmte, aber Bernd wollte nichts dazu sagen. Sie kannten ihn gar nicht, sie wussten nicht wie er denkt und fühlt, er war einfach da, er war einfach anders.
In den Pausen blieb er im Raum, er hatte von den Lehrern die Erlaubnis bekommen. Hier lernte er weiter, damit er in den restlichen Fächern auch noch auf eine eins kommen kann, er wollte es schaffen, dass war ihn wichtig, auch wenn er gar nicht wusste, was seine Eltern darüber dachten.

Bernd stand auf einen Dach, auf einen Dach von einen Hochhaus. Das Hochhaus ist schon lange Zeit unbewohnt und eigentlich ist das ganze Viertel so gut wie ausgestorben, er stand also dort und schaute über die Stadt. Er schaute auf eine Stadt, die ihn nicht kannte, in der er keine Freunde hatte und wahrscheinlich nicht mal Eltern, denn seine Eltern waren ja nie da.

Was Bernd nicht wusste war, dass sich in seiner Schule ein Mädchen in ihn verliebt hatte, sie hatte sich nur nicht getraut es ihn zu sagen, weil sie nicht als Außenseiter dar stehen wollte. Sie hatte eigentlich einen sehr guten ruf in der Schule und den wollte sie nicht verlieren, dann musste halt mal die Liebe hinten anstehen, es gäbe noch genügend Möglichkeiten sich neu zu verlieben, sie ist ja schließlich noch jung.

Wie gesagt Bernd wusste nichts davon und er stand auf diesen Hochhaus, ihn verband mit diesen Haus nichts, er hatte nie dort gewohnt aber er fand es schön, dieses Haus war genauso alleine wie er, morgen soll es abgerissen werden. Es ist also eine Art abschied von diesen Haus, was es morgen nicht mehr geben wird.

Seinen Eltern würde wohl gar nicht auffallen das er nicht da ist, er konnte sich jedenfalls nicht erinnern das sie jemals abends in sein Zimmer geschaut hätten. Ich glaube, sie würden sogar eher denken, das sie nie einen Sohn hatten und ihr Leben würde so weiter gehen wie bisher.

Bernd stand nicht mehr auf den Hochhaus, nein, er stürzte auf den Boden zu, doch bevor er dort ankam sagte er "Ich bin was ich war !"

(C) 2004 von Sven Buchien

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