Leben in sechs Kapiteln

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Black Eyed Angel
Kind der Nacht
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Leben in sechs Kapiteln

Beitrag von Black Eyed Angel » Mi Apr 14, 2004 5:20 pm

Noch was ganz kurz ... DAS IST EINE KURZGESCHICHTE!!! (Dieses Werk hat eindeutig die Merkmale einer Kurzgeschichte, wer das nicht glaubt bekommt Nachhilfe in Deutsch!!)


Das Veilchen

o1 Die längste Zeit

Mike schaute auf die Uhr. „Oh nein … erst um vier…“, las er müde von der Uhr ab. Dann blinzelte Mike durch den Raum. John, sein Mitbewohner, war noch nicht wieder da. Mike drehte sich um und wollte weiter schlafen. Auf dem Flur fiel mit einem lauten Rumpeln etwas zu Boden. Mike dachte: „Dieses dämliche Tier von einer Katze… Wer war eigentlich dafür so was hier rein zu lassen?“ Dann war wieder alles ruhig. Mike sah von seinem Bett aus zu Fenster hinaus. Trotzdem es erst um vier war, dämmerte es bereits. Der Himmel sah grau und bewölkt aus. Von den Bäumen hingen große, schwere Wassertropfen wir Kristalle. „Es wurde ja auch Zeit, dass es mal wieder regnet…“, dachte er, bevor er wieder einschlief.
Vom Flur her drangen Stimmen in das Zimmer: „Kannst du auch gar nichts richtig machen? Jetzt pass ja auf, dass du nicht wieder irgendetwas anrempelst! Oder willst du, dass uns die Bullen auf die Spur kommen?“ fauchte ein Mann einen andren an. Der andere entgegnete ihm unterworfen: „Nein, sicher nicht…“ „Dann halt deine Klappe!“, wurde er unterbrachen. „Chef…“, rief der eine dem anderen flüsternd zu. Der rollte mit den Augen und drehte sich genervt um: „Was denn?“ Der Hintere deutete mit seinem Kopf nach unten. Die Katze schnurrte und kuschelte sich an sein Bein. „Verdammt noch mal, gib ihr doch einfach einen Tritt!“, befahl der Fordere. Er drehte sich wieder um und ging weiter den Flur entlang. Der Hintere brachte es nicht übers Herz die Katze zu treten und stupste sie mit der Fußspitze in einen anderen Raum und verschloss leise die Tür. Der Fordere drehte sich wieder um, um zu sehen was sein Hintermann machte. Der zuckte nur mit den Achseln. Der Fordermann machte eine Geste, die bedeuten sollte, dass er zu ihm kommen sollte. Er schlich auf ihn zu und als er bei ihm angekommen war schaute er durch einen schmalen Spalt in das Zimmer, vor dem die Beiden standen. „Das ist er!“, erklärte der Fordermann. Der Hintere nickte.
Mike, der ja wieder eingeschlafen war, merkte nichts von den Besuchern. Er kuschelte sich grade wieder in sein Kissen, als die beiden Männer den Raum betraten. Sie schlichen in Richtung Bett und als sie nur noch wenige Meter entfernt waren, knarrte unter ihren Füßen eine Diele. Die beiden blieben wie angewurzelt stehen. Mike wurde wieder wach. Er drehte sich vom Fenster in Richtung Tür und sah die beiden Männer da stehen. Erschrocken wollte er aufstehen, doch einer der beiden zückte ein Messer und zischte ihn an: „Lass es lieber!“ Mike starrte die beiden verstört an und stotterte: „W-w-as … ? W-e-wer? … W-war-rum?“ Der, der das Messer hielt ging auf Mike, der im Bett saß, zu und lachte. Es war kein freudiges Lachen, es war ein aufgesetztes Lachen. Dann schaute er herablassend zu Mike: „Was glaubst du, wer ich bin?“ Mike schüttelte ahnungslos mit dem Kopf. Mikes Blick folgte dem Mann mit dem Messer, der in Richtung des Fensters ging. Als er es erreicht hatte, drehte er sich um und lehnte sich an die Fensterbank. Dann betrachtete er sein Messer und begann zu erzählen: „Mike, Mike, Mike… Ich hätte nicht gedacht, dass du mich so schnell vergisst.“ Der Mann schüttelte mit dem Kopf und sein Tonfall war gelassen und doch in einer Weise angespannt. Mike sah, wie sich kleine Schweißperlen auf der Stirn des Mannes gebildet hatten. Mike sah ihn immer noch fragend an. Wieder betrachtete der Mann sein Messer. „Mike, pass mal auf.“, begann er zu erklären, als sein Auge auf das Bild einer Frau fiel. Wieder lachte der Mann mit seinem aufgesetzten Lachen. Mike sah auf das Bild und dann wieder auf den Mann am Fenster. „Chris?“, fragte er. „Dein Gedächtnis funktioniert also noch!“, antwortete Chris mit einem hämischen Grinsen. Nun verstand Mike gar nichts mehr. „Was willst du hier?“ „Was ich hier will?“, wiederholte Chris mit seinem aufgesetzten Lachen. „Nun stell dich doch nicht so an!“, fuhr er fort. Er deutete mit seinem Gesicht in Richtung des Bildes. Mike schaute ebenfalls auf das Bild. Eine junge Frau, ca. zwanzig, lachte von dort her in den Raum. Die langen, haselnussbraunen Haare fielen ihr über die Schultern die Augen funkelten in einem warmen blau-grün. Als Mike seinem Blick von dem Bild nahm, stand Chris genau vor ihm und beugte sich zu ihm nach unten. Die beiden schauten sich jetzt genau in die Augen und dann meinte Chris: „Wir beide, du und ich, wie waren die längste Zeit Freunde! Und du, mein lieber Mike, hast die längste Zeit gelebt!“ Mike sah Chris erschrocken an. Dann meinte er: „Was hast du davon, wenn ich sterbe? Sie wird nie und nimmer zu dir kommen!“ Chris fuhr Mike mit dem Messer über die Kehle. Dann flüsterte er: „Du willst wissen, was ich davon habe?“ Chris erhob sich und stellte sich an das Ende des Bettes. Dann funkelte er Mike an: „Du weißt, was ich mit ihr gemacht habe! Du hast mich dabei gestört, also bist du für die Polizei ein potentieller Zeuge und stehst mir im Weg, also werde ich dich aus dem Weg räumen. Und dann wird Hannah mir gehören!“ Mike schüttelte den Kopf, er kochte vor Wut. Dann schrie er Chris an: „Du elendes Schwein! Das werde ich nicht zulassen!“ Mike stand auf und Chris, der vor ihm stand, stieß ihm das Messer in den Oberkörper. Mike schaute auf das Messer und dann genau in Chris Augen. Chris Augen funkelten ihn überlegen an. Dann zog Chris das Messer aus Mikes Brust und sagte: „Jetzt gehört sie mir!“ Mike sank zurück auf sein Bett. Chris meinte zu seinem Anhängsel: „Los, wir gehen, wir haben unsere Arbeit gemacht.“ Die beiden verließen erst das Zimmer. Im Flur war ein Scharren zu hören. Die Katze kratzte an der Tür. Dann verließen die beiden Männer die Wohnung.
Mike lag auf seinem Bett und eine Träne floss ihm über das Gesicht. Er schaute zu dem Bild und meinte: „Es tut mit leid! Ich konnte dich nicht beschützen… ich habe versagt… Ich liebe dich doch … es tut mir leid. …“ Mike schloss seine Augen. Er spürte, wie ihn eine angenehme Wärme bis in jede kleine Ader durchfuhr.
Zur selben Zeit parkte von dem Haus ein silberner Opel.


o2 Regen
Aus einen der Eisdielen von Straßenrand klang ein Lied. Hannah musste lächeln. Es war ein trauriges Lächeln. Dann sang sie leise mit: „Why does it always rain in my heart…“
Die Wolken schienen auch ei Herz zu haben, denn aus dem grau kamen Tropfen hervor, die auf die Straße, die Autos und die Menschen fielen. Eifrig begannen die Menschen Unterschlupf in Cafes und überstehenden Dachgiebeln zu finden. Die Verkäuferinnern aus Modegeschäften eilten nach draußen um die zur Schau hängenden Kleidungsstücke vor dem Regen zu retten. Hannah ging langsam weiter, im Regen.
Sie störte es nicht, dass ihr langes, haselnussbraunes Haar vollkommen nass war und der Regen ihr von der Stirn lief. Die Schuhe waren schon vollkommen durchnässt, als sie selbige auszog. Das nasse Pflaster unter ihren Füßen war warm, genau wie der Regen. Dann dachte sie: „Wie es Mike wohl geht? Jetzt bin ich schon eine Woche hier und er hat sich noch nicht gemeldet. Ich bin doch extra wegen seinem Geburtstag aus Rom hier her gekommen? Hatte ich ihm bescheid gesagt? Hatte ich? Ja, hatte ich! Ich hab doch auch schon bei John angerufen. Ob er es Mike vergessen hat zu sagen? …“
In ihren Gedanken versunken ging sie weiter die Straße entlang. Sie hörte nicht wie sie gerufen wurde. Erst als der Regen aufhörte ihr auf die Haare zu fallen, merkte sie, dass ihr jemand einen Schirm über den Kopf hielt. Sie schaute sich etwas erschrocken um. Dann sah sie nach links, wo sie David erblickte. Er hielt ihr auch den Schirm über den Kopf. Er lächelte sie an. Hannah versuchte das Lächeln zu erwidern, doch es gelang ihr nicht wirklich gut. „Was ist denn los mit dir?“, wollte David wissen. „Nix.“, versuchte Hannah David auszuweichen. „Ich merk doch, dass da war nicht stimmt! Du läufst nicht ohne Grund hier barfuss durch den Regen!“, harkte David nach. Hannah ging ohne ein Wort zu sagen weiter. David stellte sich vor sie und schnitt ihr so den Weg ab. Dann fragte er wieder: „Hannah, was ist los mit dir?“ David wollte ihr in die Augen schauen, doch sie wich seinem Blick aus. Dann erklärte Hannah traurig: „Weißt du, ich hab mir extra Urlaub genommen um von Rom hier her zu kommen und dachte Mike freut sich, wenn ich hier bin. Ich hab ihm extra geschrieben und ihn noch von Flughafen aus angerufen. Seit einer Woche ist er nicht zu erreichen. Auf Arbeit ist er nicht und bei John ist er auch nicht.“ Hannah floss eine Träne über das vom Regen nasse Gesicht. David schaute sie ernst an. Dann meinte er: „Du weißt noch gar nicht was passiert ist?“ Hannah spürte, dass etwas nicht stimmte. Dann drängte sie: „Was ist denn passiert? David? Was ist los?“ David sah Hannah in die Augen. Er holte tief Luft und erklärte ihr dann: „Mike wurde von Chris und einem Freund von ihm niedergestochen.“ Aus Hannahs Gesicht wich jegliche Farbe. Sie wollte etwas sagen, doch ihr fehlten die Worte. Ein dicker Kloß steckte in ihrem Hals und dann schossen ihr die Tränen in die Augen. Sie fiel auf die Knie und begann zu weinen. Ihr knielanges Kleid, das sie von Mike bekommen hatte, begann das Wasser um sie herum aufzusagen.
David lies den Schirm los und beugte sich zu ihr nach unten und nahm sie in den Arm. Er begann ihr über den Rücken zu streicheln. Dann flüsterte er ihr ins Ohr: „Ist ja gut, ist ja gut… Lass es raus. Das wird schon wieder.“ So redete er eine Weile auf sie ein. Einige Leute, die an den Beiden vorbei gingen schauten sie fragend an. Einer der Kellner fragte, ob er einen Stuhl und ein Glas Wasser bringen könne. Doch David meinte, dass dies im Moment nicht nötig wäre.
Als sich Hannah wieder etwas beruhigt hatte, schlug ihr David vor: „Komm, wir gehen etwas Trockenes anziehen und dann fahren wir zu ihm ins Krankenhaus.“ Hannah nickte.
David stellte sich wieder hin, dann half er Hannah wieder auf die Beine. Bevor sie losgingen, hob David noch seinen Schirm auf und die Beiden machten sich auf den Weg. Als erstes gingen sie kurz zu Hannah und dann zu David. Er meinte: „Wollen wir U-Bahn oder Auto fahren?“ Hannah, die in Korridor stand und sich im Spiegel betrachtete entgegnete: „Ist mir egal.“ „Ich würde denken, wir fahren mit dem Auto. Da sind wir von der Zeit her unabhängiger.“, erklärte David, während er aus dem Schlafzimmer kam und sich ein T-Shirt anzog. Hannah nickte. Sie wusste allerdings nicht mehr ganz wozu sie jetzt genickt hatte.
Die Beiden machten sich wieder auf den Weg. Als sie zur Tür hinaus kamen ging Hannah nach links und David nach rechts. „Hey, wo willst du denn hin?!“, rief David. Hannah sah ihn verwirrt an und besann sich mit einem leichten Kopfschütteln.
Als die beiden im Krankenhaus angekommen waren fragten sie die erste Schwester, die den Beiden entgegen kam in welchem Zimmer ihr Freund läge. Die Schwester gab gerne Auskunft und meinte außerdem, dass bereits zwei Freunde von Mike Dietrich anwesend sein. Als Hannah nach einer genaueren Beschreibung der beiden Freunde fragte, erklärte ich die Schwester: „Der eine hatte so etwas längere Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und dunkle Augen. Er trug eine Jeansjacke und eine dunkle Hose. Der andre hatte kurze blonde Haare, die so nach oben gegelt waren. Er hatte auch eine Jeansjacke an, glaube ich…“ Hannah rannte los zu dem von der Schwester beschriebenen Raum. David verstand erst nicht, was in Hannah gefahren war, als er sich bei der Schwester bedankte und es Hannah gleich tat. Die Schwester, nun auch leicht beunruhigt, lief auch in die Richtung des Zimmers.



o3 Hoffung

Chris stand über den bewusstlosen Mike gebeugt und drückte ihm ein Kissen ins Gesicht. Sein Anhängsel stand auch mit im Raum. Er stand an der Tür und hielt Wache, ob ein Arzt kam. „Chris, da kommt jemand genau hier her. Eine Frau … Sie rennt genau auf das Zimmer zu!“, warnte er Chris. Chris nahm Mike das Kissen vom Gesicht und tat so, als ob er mit ihm reden würde. Der andere tat so, als ob er grade von der Toilette käme.
„Das wird schon wieder! Und der, der das getan hat, wird bereits von der Polizei gesucht. Und wenn die den haben, der bekommt seine Strafe!“, flüsterte Chris Mike scheinheilig zu. Hannah stand in der Tür. Sie bebte vor Wut. „In der Tat, du wirst dafür büßen, was du getan hast! Mach dir darum mal keine Sorgen!“, zischte Hannah. Sie musste nicht schreien um ihr Anliegen kund zu tun. Allein der Ton in dem sie redete war angsteinflößend. Ihre Stimme zitterte vor Wut und die Hände hatte sie zu Fäusten geballt. Erschrocken Hannahs stimme zu hören, drehten sich die beiden Männer um. Der eine, der tat als ob er vom Klo kam zückte ein Messer. „Lass stecken, Jo!“, funkelte Chris ihn an. Jo ließ das Messer sinken. Dann grinste Chris sarkastisch: „Ei, schau an, wen wir hier haben. Das italienische Boxenluder.“ Hannah hob ihre Hand und wollte Chris schlagen. Der jedoch hielt Hannahs Handgelenk fest, so dass sie nicht zum Schlag kam. Er drückte immer fester zu und ärgerte sie: „Wer wird denn gleich zur Furie werden. Wohl bemerkt: eine hübsche Furie.“ Hannah konnte Chris Atem auf ihrer Haut spüren. „Lass sie los!“, drohte eine Stimme von hinten. David hatte das Zimmer gefunden. Chris ließ Hannahs Hand los und ließ Jo, seinen Kumpel, verstehen, er solle mit dem Messer auf David losgehen. Doch als auch noch die Schwester ins Zimmer kam und das Messer in der Hand von Jo erblickte, hielten es Chris und Jo für besser zu fliehen. Als er aus dem Zimmer rannte, rief er Chris und Hannah noch zu: „Wir sehen und wieder!“ „In der Tat, wir sehen und wieder.“, gab Hannah Chris recht. „Und zwar vor Gericht!“, setzte David den Satz fort.
Hannah sah zu Mike, der im Bett lag. Sie ging zum Bett und setze sich. Die Schwester stellte sich hinter sie und fragte: „Geht es Ihnen gut?“ Hannah sah sich nicht um, sie nickte nur mit dem Kopf. Die Schwester ging um das Bett zu den Maschinen, an die Mike angeschlossen war. Sie überprüfte alle Werte und schien zufrieden zu sein. Dann informierte sie Hannah: „Ihm geht es auch soweit gut. Ich werde bei der Polizei Anzeige wegen versuchten Mordes erstatten. Einen schönen Tag noch.“ Mit diesen Worten verließ die Schwester das Zimmer.
Hannah sah sich um. Die weißen Wände und die weiße Einrichtung wirkten auf sie trübe und langweilig. Auf David anscheinend auch, denn er hatte sich ans Fenster gestellt. Dann öffnete er selbiges und erklärte: „Frische Luft tut ihm sicher auch gut! Ist eine kleine Abwechslung zu diesem Krankenhausgeruch.“ Hannah nickte. Dann sah sie wieder zu Mike. Ihre Augen wurden wieder wässrig und sie bat David: „Könntest du draußen warten?“ David nickte und verließ den Raum. Er setzte sich auf einen der Stühle, die vor dem Zimmer standen. Eine Schwester fragte ihn ob er etwas trinken wolle und er nahm das Angebot dankend an.
Hannah nahm Mikes Hand. Sie war kalt wie Eis. Mikes braunes, kurzes Haar klebte an seiner Stirn. „Er musste irgendwann einmal geschwitzt haben…“, dachte Hannah. Sie stand auf und ging ins Bad um einen feuchten Lappen zu holen. Sie drehte den Wasserhahn auf und schaute ins Waschbecken. Als sie vom Waschbecken aufsah, sah sie genau in ihre eigenen Augen. Sie erschrak und ließ den Waschlappen fallen. Dann schüttelte sie den Kopf und besann sich wieder. Hannah ging zurück zu Mikes Bett. Mit dem feuchten Lappen tupfte sie Mike den Schweiß vom Gesicht und von Hals. Eine Träne tropfte von Hannahs Gesicht auf das von Mike. Die legte den Lappen bei Seite und kuschelte ihren Kopf in Mikes Decke. Eine Weile blieb sie so liegen. Dann richtete sie sich wieder auf und sagte zu Mike, während sie ihm über das Gesicht streichelte: „Ich weiß nicht ob du mich jetzt hörst. Aber wo auch immer du bist, ich wollte dir nur sagen, dass ich dich über alles liebe und egal was passiert, ich werde dich nie vergessen. Weißt du noch wie wir uns kennen gelernt haben? Auf dem Geburtstag unserer Eltern. Erst waren sie von uns begeistert und jetzt …“ Hannah brach ihren Satz ab und musste weinen. Wieder kuschelte sie sich in Mikes Decke.
Sie spürte, wie sich ein Arm um ihre Schulter legte. Sie dachte erst es sei David, der ihr sagen wolle, dass er geht. Als sie jedoch aufsah, sah sie zwei rehbraune Augen, die sie verschlafen anblinzelten. „Mike!“, rief Hannah und fiel Mike um den Hals. Sie lachte vor Freude. „Nicht so fest, du erstickst mich ja noch!“, scherze Mike. Hannahs Lachen verstummte. Sie richtete sich auf und sah Mike ernst an. Der fragte verwirrt: „Was ist? Habe ich etwas Falsches gesagt?“ Hannah schüttelte ihren Kopf. Mike fuhr ihr mit der Hand über das Gesicht
und fragte sie noch einmal: „Was ist los?“ Hannah zögerte mit ihrer Antwort. Mike wollte sie ein drittes Mal fragen, doch sie erklärte ihm: „Chris war noch einmal hier. Er hat versucht dich mit…“ Hannah musste schlucken. „Er hat versucht dich mit einem Kissen zu ersticken!“, erklärte sie, nachdem sie noch einmal tief Luft geholt hatte. Mikes Gesicht wurde blass und er schüttelte den Kopf: „Das ist nicht wahr?!“ „Doch, ist es.“, bestätigte Hannah. „Wären David, die Schwester und ich gekommen, wäre es ihm auch fast gelungen.“ Mike lächelte seine Hannah an. „Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht. Als du dich nicht gemeldet hast und ich war doch extra aus Rom hergekommen und du warst nie da. Ich hab überall angerufen…“schluchzte Hannah, als sie Mike in die Augen sah. Er setzte sich aufrecht und nahm Hannah in den Arm. „Ist ja alles wieder gut!“, tröstete er sie. Dann flüsterte er ihr zu: „Hannah, ich liebe dich und daran kann auch der Tod nichts ändern.“ Hannah sah ihn an. Mike kam ihrem Gesicht immer näher, bis sich ihre Lippen schließlich zu einem liebevollen Kuss berührten. Dann betrat die Schwester wieder den Raum. Sie erklärte Hannah: „Die Besuchszeit ist zu Ende, sie müssen jetzt leider gehen.“ Hannah nickte der Schwester zu. Dann wendete sie sich wieder zu Mike und meinte: „Ich werde morgen wieder kommen. Ich vermisse dich jetzt schon! Ich liebe dich und bis morgen!“ Sie küsste Mike noch einmal. Als sie sich wieder aufrichten wollte hielt Mike sie am Arm und meinte: „Ich liebe dich auch!“ dabei sah er Hannah genau in die Augen. Wieder küssten sich die Beiden. Die Schwester räusperte sich etwas, um Hannah daran zu erinnern, dass sie gehen muss. Mike rief Hannah noch ein „Tschüss“ zu und dann war er wieder allein im Zimmer.



o4 Chris’ Wille

Hannah schaute erstaunt zu David, der immer noch auf einem der Stühle vor dem Zimmer saß. „Was machst du noch hier?“, wollte Hannah wissen. Die Beiden gingen den Gang entlang in Richtung Ausgang. „Wie geht es ihm?“, wollte David wissen. „Er ist vorhin aufgewacht. Ich habe ihm erzählt, dass Chris da war. Er war danach vollkommen perplex.“ David hörte Hannah zu, während sie erzählte.
Als die beiden im Auto saßen fragte sie David noch einmal: „Warum warst du noch im Krankenhaus?“ David sah von der roten Ampel zu Hannah und wieder zu der Ampel, die inzwischen grün geworden war. David gab Gas und erklärte ihr kurz angebunden: „Ich habe auch dich gewartet.“ Er wollte nicht darüber reden. Hannah hatte es bemerkt und fragte nicht weiter nach.
Chris setzte Hannah zu Hause ab und fuhr dann weiter. Er wusste nicht wohin, aber er fuhr einfach. Nach Hause wollte er nicht, denn dort würde ihm die Decke auf den Kopf fallen. Nach einer Weile parkte er auf irgendeinem Parkplatz. Er dachte nach. „Was ist los mit mir? Seit wann bin ich so sensibel? Ich werde doch nicht …?“ legte seinen Kopf auf das Lenkrad und schlug die Hände im Nacken zusammen. Als er sich wieder gefangen hatte machte er sich wieder auf den Weg. Es war spät geworden und David wollte Hannah morgen wieder ins Krankenhaus begleiten. So entschloss er sich nach Hause zu fahren.
Am nächsten Morgen machte sich David auf den Weg zu Hannah. Sie wolle grade das Haus verlassen, als sie David sah. Sie wank ihm zu wartete auf ihn. Als er sie eingeholt hatte fragte Hannah David: „Wo willst du denn hin?“ „Ich wollte zu dir. Und wo willst du hin?“ erwiderte David die Frage. „Ich wollte noch ein bisschen Obst für Mike einkaufen gehen. Damit er im Krankenhaus auch etwas Leckeres zu essen hat und bald wieder zu Kräften kommt.“ Hannah lächelte glücklich. David stimmte ihr zu und beide gingen zusammen in Richtung Stadt.
Die dicken Regenwolken hatten sich über Nacht verzogen und es war ein herrlicher Tag. Die Sonne schien vom Himmel und die Vögel sangen in den Baumspitzen. Kinder spielten im Park Fange und Verstecken. Pärchen saßen auf der Wiese und sonnten sich. Im Schatten ruhten sich die Sportler aus, die es pflegten im Park joggen zu gehen oder Rad zu fahren. Ab und zu wurden die Beiden von einem solchen Sportler überholt. Auch ältere Ehepaare waren bereits unterwegs oder saßen auf den Bänken und ließen das Leben an sich vorbei ziehen.
Hannah und David waren zu Fuß unterwegs. Es störte sich nicht im Geringsten, dass sie das Krankenhaus erst unter Mittag erreicht hatten.
Sie betraten das große Foyer des Krankenhauses. Der das rot des Teppichs war staubig und durch die großen Fenster, die geöffnet waren, kam warme Luft herein. Die Fenster dienten zugleich als Zugänge zu den Terrassen, auf die man sich setzten konnte um einen Kaffe zu trinken.
Hannah und David orientierten sich kurz und machten sich dann auf den Weg zu Mikes Zimmer. In den Gängen hatte man, um das Weiß zu brechen, Bilder aufgehangen. Als Hannah und David das richtige Zimmer erreichten und die Tür öffneten, waren Putzfrauen grade dabei, das Bett, in dem Chris gestern noch gelegen hatte, abzuziehen.
Eine Schwester kam auf die Beiden zu. David fragte die Schwester: „Wo ist Mike? Wurde er in ein anderes Zimmer verlegt?“ Die Schwester schüttelte ihren Kopf. Dann forderte sie die Beiden auf: „Kommen Sie doch bitte mit in das Sprechzimmer der Arztes.“ Hannah schaute beunruhigt zu David. Er jedoch versuchte einen gelassenen Gesichtsreindruck zu machen. Allerdings gelang es ihm nicht ganz so wie er wollte. Sie folgten der Schwester in das Zimmer des Arztes. Er bot ihnen an sich zu setzten. Die beiden setzten sich und der Arzt erklärte ihnen: „Ich muss ihnen leider mitteilen, dass Mike Dietrich heute Nacht an einem Blutgerinnsel an seiner Wunde verstorben ist. Wiederbelebungsversuche waren zwecklos und auch eine Notoperation blieb ohne Erfolg.“ Hannah wich jegliche Farbe aus dem Gesicht und David fehlten die Worte. Dann hörte er Hannah neben sich schluchzen. Er stand auf und nahm sie in dem Arm. Nun flossen auch David Tränen über das Gesicht. David spürte wie Hannah Schutz in seinen Armen suchte. Er nahm sie etwas fester in den Arm und streichelte ihr über den Rücken. Der Arzt erkundigte sich: „Kann ich Ihnen eine Tablette zur Beruhigung anbieten oder ein Glas Wasser?“ Hannah schüttelte den Kopf. Dann verließ sie mit David auf dem kürzesten Weg das Krankenhaus. Sie wollte nie wieder in ihrem Leben einen Menschen in einem weißen Kittel sehen.
David beschloss Hannah mit zu sich nach Hause zu nehmen. Er wollte sie in ihrem Zustand nicht alleine lassen. Als Hannah fragte, wo er mit ihr hin wolle erklärte er es ihr. Hannah dankte es David, dass er sie nicht allein ließ.
Nachdem Hannah ausgiebig gebadet hatte wollte sie sich schlafen legen. Doch als sie allein im Bett lag überkamen sie die Erinnerungen an Mike. Erst flossen ihr nur einzelne Tränen stumm über das Gesicht und dann begann sie wieder zu schluchzen. David, der im Nebenzimmer war, hörte dass Hannah weinte. Er ging zu ihr um sie zu trösten. David hatte Hannah ein Glas Wasser gebracht, in dem er eine Beruhigungstablette aufgelöst hatte. Hannah trank das Wasser und schlief wenig später in Davids Armen ein. Er legte ihren Kopf auf das Kissen und deckte sich noch einmal zu. Er ging in Richtung Tür, drehte sich noch einmal um und legte sich dann im Nebenzimmer auf das Sofa. Die Tür ließ er offen, so dass er mitbekam, wenn Hannah aufwachte.

o5 Gerecht

Am nächsten morgen klingelte in aller Frühe das Telefon. Am anderen Ende des Telefons meldete sich ein Beamter der Polizei und teilte David mit, dass Chris und sein Mittäter Jo in der letzten Nacht gefangen genommen wurden. Auf die Frage wie sie die beiden erwischt hatten, antwortete der Polizist am Telefon lachend: „Sie sind auf der Autobahn zu schnell gefahren und in eine Verkehrskontrolle geraten. Die Kollegen, die Dienst hatten, haben sie erkannt und festgenommen.“ Nachdem der Beamte noch den Termin für die Gegenüberstellung und die Gerichtsverhandlung bekannt gegeben hatte, verabschiedete er sich.
David konnte nicht warten, bis Hannah aufwachte, also weckte er sie mit einem heißen Kaffe und einem Lachen auf dem Gesicht auf. Hannah sah ihn verschlafen an. Bevor sie etwas sagen konnte überrumpelte David sie: „Sie haben Jo und Chris erwischt! Die Beiden wurden gestern Abend oder irgendwann in der Nacht festgenommen!“ Hannah wollte David umarmen, stieß aber mit ihrer Hand genau gegen die Tasse heißen Kaffe, der sich daraufhin auf dem gesamten Fußboden verteilte. David war das im Moment egal. Er nahm Hannah überglücklich in den Arm und die beiden freuten sich über alles.
David begleitete Hannah zu jedem Termin, bei dem sie Jo und Chris begegnen musste.
Hannah war in der Zeit der Verhandlung zu David gezogen, damit sie nicht alleine war. Am Abend des letzten Verhandlungstages, an dem auch das Urteil gefällt wurde, saßen David und Hannah gemeinsam auf dem Sofa und schauten fern. David legte seinen Arm um Hannah und erklärte zufrieden: „Es war ein guter Tag!“ Hannah kuschelte sich an ihn und stimmte ihm zu: „Ja, es war ein guter Tag!“ David wollte noch etwas sagen, doch Hannah legte ihm einen Finger auf die Lippen und meinte: „Scht!“ Dann deutete sie mit dem Kopf auf den Fernseher. Sie Nachrichtensprecherin verkündete grade die regionalen Nachrichten: „ … Chris B. wurde wegen Vergewaltigung, Anstiftung zum Mord und Totschlag zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Sein Mittäter Jo C. wurde zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt …“ Hannah und David freuten sich wie kleine Kinder, denen man einen Lolli geschenkt hatte.



o6 neues Leben

Nachdem die beiden noch eine Weile ferngesehen hatten, war Hannah an der Schulter von David eingeschlafen. David trug sie in sein Bett. Wieder deckte er sie zu und wie jeden Abend gab er ihr einen kleinen Kuss auf die Stirn. Er verharrte wieder kurz im Türrahmen und schaute auf Hannah. Das lange Haar hatte sie zu einem lockeren Zopf geflochten. Er ging aus dem Raum und legte sich auf sein Sofa. Nach einer Weile war auch er eingeschlafen.
Hannah wachte auf. Verschlafen schaute sie auf die Funkuhr. „Mitternacht.“, dachte sie und ließ den Kopf wieder ins Kissen fallen. Sie stand auf und tapste in Richtung Bad. Nachdem sie ihre Toilette erledigt hatte und sich wieder ins Bett legen wollte, bemerke sie, dass der Fernseher noch lief. Sie dachte David sei noch wach und ging in die Stube. Doch es war nur der Fernseher, der noch lief. Sie schaltete ihn aus. Als sie den Raum wieder verlassen wollte, fiel ihr Blick auf David. Seine sonst ordentlich, nach oben gegelten, rot-blonden Haare fielen durcheinander auf das Kissen. Hannah dachte: „Seit wann schläft er ohne Oberteil?“, als ihr Blick weiter nach unten wanderte.
Die Kälte kroch ihr die Beine noch oben. Sie beschloss kurzerhand bei David auf dem Sofa zu schlafen. Sie legte sich zu ihm unter die Decke und kuschelte sich an. Sie spürte, wie David einen Arm um sie legte. Sie schaute ihn an. Er war aufgewacht. Die Beiden sahen sich eine Weile in die Augen. Nach einer Weile wurden Hannahs Augen schwer und sie schlief wieder ein. David drückte sie etwas fester an dich. Er streichelte ihr Haar und flüsterte der schlafenden Hannah zu: „Hannah, ich liebe dich…“








Idee: Kleiner Stern. 88
Lyrics: Black Eyed Angel
Black Eyed Angel

Das Nicht-Wahrnehen von etwas, beweißt nicht dessen Nicht-Exisstenz

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Beitrag von Teufel100 » Mi Apr 14, 2004 9:05 pm

Hi du, wenn du früher wachbist und hier surfst als ich, ich habe es noch nicht geschaft zu lesen, ich mache es heute gleich wenn ich aufstehe und dann kommt auch dein feedback, versprochen :herz: :engel2: :engel1:

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Beitrag von Teufel100 » Do Apr 15, 2004 10:50 am

Also den Text im großen und ganzen finde ich Klasse. Leider hast du hier und dort ein paar Sätze, die nicht so ganz zueinander passen oder ein paar Wörter die nicht in den Satz gehören und einmal hast du den Namen verwechselt. Aber ansonsten gefällt mir der Text, ich hoffe du machst weiter so und ich kann hoffentlich noch viel von dir lesen ;-)

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